Die Vereinsgeschichte

 

Als ich vor einiger Zeit - anlässlich unseres 125-jährigen Bestehens - gebeten wurde, ein wenig über

die Geschichte des Vereins zu berichten, schwirrte mir zum Thema Schützen etliches im Kopf herum:

 

Von Bürgern die ihre Stadtmauer verteidigen, jeder seinen speziellen Abschnitt; von Freiheitskämpfern wie Andreas Hofer aus dem Passeiertal, von den Struberschützen am Pass Lueg aus unserer Partnergemeinde Werfen; aber auch vom Großen Freien aus der Umgebung Lehrtes, wo sich Bauern für ihre Freiheit bewaffnen und in den Krieg ziehen müssen.

Andererseits gab es für die meisten Menschen das Verbot, Waffen zu besitzen, damit niemand auf die Idee kam, sich evtl. ein Stück Fleisch zu "besorgen" - das war den "Herren" vorbehalten, selbst wenn die Tiere den Bauern die Ernte auffraßen. Hat das alles aber etwas mit unserem Verein zu tun? Nicht wirklich!

 

Vor 125 Jahren wurde unser Verein gegründet, 1887.

 

Was für eine Zeit war das? Deutschland war eine Monarchie, das Zweite Deutsche Reich, gegründet 1871 nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Deutschland hatte diesen Krieg gewonnen und dementsprechend wurden die Kriegsteilnehmer gefeiert.

 

1887 taten sich Kriegsveteranen aus Lengede und Klein Lafferde zusammen und gründeten einen Verein.

Was passierte in diesem Verein?

 -  Man traf sich 4 bis 6 mal jährlich und trank jeweils ein Fass Bier dabei.

 -  Am Ende der Versammlung musste man den Kaiser dreimal hoch leben lassen.

 -  An Kaisers Geburtstag (bei Wilhelm II. ab 1888 war das, glaube ich, der 27. Januar) gab es

    einen Festball, teilweise  mit Theateraufführungen.

-  Ab und an fuhr man mit Pferdegespannen aus.

Sozialdemokraten und Reichsfeinde war übrigens unerwünscht.

-  Andererseits gab es auch soziales Engagement.

   Falls ein Mitglied gestorben war und bedürftige Angehörige

   hinterließ,  bekamen sie Geld  aus einer Unterstützung- und Sterbekasse.

 

Fällt Ihnen und Euch etwas auf? Ich berichte über einen S c h ü t z  e n v e r e i n !

Geschossen wurde nur zum  Schützenfest!

 

Wie das manchmal so ist zwischen Lengede und Klein Lafferde - man war sich nicht immer einig.

Z.B konnte man sich 1892 nicht einigen, wo die Fahnenweihe stattfinden sollte - also wurde zwischen den Dörfern ein Festplatz eingerichtet. Am ersten Tag gab es einen Umzug durch Lengede, am zweiten Tag wurden die Klein Lafferder abgeholt.

In der Folgezeit gab es noch mehrere Meinungsverschiedenheiten und daraufhin trennte man sich 1908 friedlich, wobei der Vereinsbesitz durch Verlosung aufgeteilt wurde. Ab Mai 1908 gab es dann also einen Klein Lafferder Kriegerverein.

Zu Kaisers Zeiten wurden Männer gefragt:"Ham Se jedient?" Und das war eine Voraussetzung dafür, anerkannt zu werden.  25 "Jediente" stießen zum Verein. Das Programm blieb gleich.

 

Leider gab es dann wenige Jahre später eine Unterbrechung des Vereinslebens durch den Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 und den Zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945.

Erst im November 1953 wurde die Kriegerkameradschaft wieder ins Leben gerufen mit halbjährlichen Versammlungen, Konzerten, Kameradschaftsabenden, Ausflügen und Sammlungen für die Kriegsgräberfürsorge.

1960 wurde das erste Luftgewehr angeschafft und mit dem Schießen begonnen.

Es gab eine Partnerschaft mit einer Bundeswehreinheit aus Wolfenbüttel, mit Vereinsschießen und Manöverbällen, bis dann die Einheit verlegt wurde.

Im Dezember 1962 feierte man das 75jährige Bestehen des Vereins, aber die Mitgliederzahl ging zurück. (Natürlich!) Was sollte man tun?

Anfang 1968 beschloss man, den Verein für Bundeswehrreservisten zu öffnen. Nach einer Satzungsänderung hieß der Verein ab Juli 1968 "Soldatenkameradschaft". Es wurde eine Schießgruppe gegründet, die sich alle 14 Tage auf Lampes Saal und später bei Nottbohm traf.

Nach vielen, teilweise heftigen Diskussionen durften ab 1970 Menschen ab 12 Jahren, also auch Frauen, in den Verein aufgenommen werden. Ab 1971 heißt unser Verein nun Schützenkameradschaft.

 

In den folgenden Jahren gab es viele sportliche Erfolge.

1973 wurde das bis heute jährlich stattfindende Schweinepreisschießen eingeführt, damals allerdings mit 350 Teilnehmern, heute knapp die Hälfte.

Ein großes Projekt wurde in Angriff genommen und durchgeführt; 1976 wurde das Sport- und Schützenheim eingeweiht.

1983 dann der Erweiterungsbau, beides in Eigenleistung einiger Mitglieder.

Kontakte zu den Struberschützen aus unserer Partnergemeinde Werfen wurden aufgenommen

und gepflegt. Eine Freundschaft mit den Schützenvereinen Groß Bülten und Stederdorf entstand.

1987 feierte man das 100jährige Bestehen während des Schützenfestes.

 

Und was gibt es heute, nach weiteren 25 Jahren?

 

Ein Mitglied hat den deutschen Meisterschaften teilgenommen; die aktuelle Gemeindekönigin kommt aus Klein Lafferde; als neue Sportart wurde das Bogenschießen eingeführt; es gibt weiterhin vielfältige Aktionen des Vereins.

 

Zusammengefasst: Es gab immer ein Auf und Ab - wird es wohl auch weiterhin geben -, entscheidend sind und waren die handelnden Personen - die machen einen jeden Verein aus.

Vielen Dank an alle, die sich bisher so tatkräftig eingesetzt haben!

 

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin Menschen finden, die unseren Verein möglichst lange weiter tragen.

Gerlinde Perschall